Wie fühlt es sich an, verklagt zu werden?

Wie ich bereits bei Instagram spontan direkt nach Erhalt des Briefes schrieb, mich hat’s umgehauen.

Mit der juristischen Theorie beschäftige ich mich seit 2007, hab im Ref alle Seiten eines Rechtsstreits kennen gelernt und ein paar Einblicke in die Praxis, aber verklagt worden bin ich noch nie. Und auch wenn mir der Rechtsstreit etwa einen Monat vorher angekündigt wurde, ich hab nicht damit gerechnet, dass sie es tatsächlich umsetzt, weil sie ebenfalls Juristin ist und ich nach aller Recherche so sicher bin, Recht zu haben.

Aber egal wer Recht hat, Recht haben ist ja nicht gleich Recht kriegen. Darüber hinaus habe ich ihr immer meine zahlungsbereitschaft gezeigt, zum Schluss sogar noch einfach so als “weiße Fahne“ einen Teil überwiesen. Unter Juristen habe ich sie auch gebeten, ihren Standpunkt darzulegen, weil ich gerne nachvollziehen würde, warum sie reagiert wie sie reagiert.

Aber hier merke ich schon, meine Gedanken und Gefühle drehen sich viel zu sehr um sie!

Dabei ist es schwer genug, sich selbst zu begreifen, man kann nicht erwarten die Beweggründe anderer nachvollziehen zu können.

Eine Freundin hatte dazu eben einen interessanten Ansatz “vielleicht hat sie über die vielen Berufsjahre die Sensibilität für so eine Klage verloren, während das alles für uns ganz fremd und neu ist“, meinte sie.

Und da ich ja in mich hineinfühlen will, statt weiter über die mir unverständliche Gegenseite zu grübeln: Sensibel! Ja, das war ich immer und bin es momentan tendenziell noch etwas mehr.

Der Umzug war anstrengend, Sorge um Familienmitglieder, schwanger bin ich auch…

Das hat mir geholfen, ein wenig Emotion aus der ganzen Sache rauszubekommen und mir bewusst zu machen, dass nicht die Klage, die Klägerin oder der Brief diesen Emotionsschwall in mir auslösen können, sondern immer nur an die Oberfläche kann, was in meinem Ozean an Gefühlen schon da war.

Und damit konnte ich das Ganze wieder nüchterner sehen: Ich kanns jetzt nicht ändern. Tatsächlich kann ich es sogar für mich nutzen, erstens ist das Rechtsgebiet mega examensrelevant (und das Examen schreibe ich auf Grund der Schwangerschaft doch nicht dieses Jahr, also ist der Prozess irgendwie auch ein Geschenk) und zweitens hab ich schon vor Monaten beim Lesen des Buchs “Blue Ocean Shift“ überlegt, dass meine Emotionalität nicht zwingend ein Nachteil sein muss, sondern mir im Gegenteil grad in Kombination mit meiner Leidenschaft zu bloggen, sowie meinem Interesse an Neurobiologie und Psychologie, Türen öffnen kann.

Kommentar verfassen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.